April 2018

01. April 2018

Osterbräuche in Polen

Viele Bräuche der Karwoche in Polen ähneln den Bräuchen in Deutschland. Am Palmsonntag kommen wir mit den Palmen in die Kirche. Manchmal gibt es eine Prozession von der heiligen Messe, in der man singend rund um die Kirche geht, wie bei dem Einzug Jesu in Jerusalem.

Fußwaschung

Am Gründonnerstag treffen sich fast alle Priester im Dom, damit sie mit dem Bischoff die Chrisam-Messe feiern. Am Abend feiert man die hl. Messe mit symbolischem Fußwaschen. Der Priester wäscht die Füße der 12 Männer. Nach der heiligen Messe wird das Allerheiligste im Tabernakel in der Nebenkapelle gelassen. Sie ist besonders geschmückt, um zu zeigen, dass Jesus in dieser Nacht im dunklen Gefängnis war. Manchmal nur bis 22 Uhr beten die Menschen vor dem Tabernakel.

Gebet am Grab Jesu

Am Karfreitag beten wir früh morgens die Karmette. Nicht überall, aber immer im Dom. Nachmittag ungefähr um 15:00 Uhr in den Kirchen betet man den Barmherzigkeitsrosenkranz oder (und) den Kreuzweg. In diesem Tag feiert man die Feier vom Leiden und Sterben Christi am Abend, weil das kein gesetzlicher Feiertag ist. Für diesen Tag baut man immer ein „Grab Jesu“, wo es einen Platz für den Tabernakel und für die Aussetzung des Allerheiligsten gibt. Auf der Monstranz ist ein Velum. Das ist eine Erinnerung, dass Jesus gestorben ist und begraben wurde. Nach der Feier beginnt die Anbetung beim Grab Jesu. Es dauert die ganze Nacht bis zur Osterfeier. Am „Grab Jesu“ treffen sich viele Menschen um zu beten. Die Ministranten und andere Gruppen wählen eine Stunde in der Nacht, um vom Allerheiligsten zu beten. Wie in Jerusalem, auch in der Nähe vom Grab, stehen die Wächter. Das sind die Feuerwehrleute oder Pfadfinder. Sie halten Wache durch die ganze Nacht.

Nacht der Beichtstühle

Natürlich Karfreitag und Karsamstag sind die Tage, wo die Priester besonders im Beichtstuhl dienen. Seit ein paar Jahren findet auch am Karfreitag eine Aktion „die Nacht der Beichtstühle“ statt, wo es die Beichtmöglichkeit bis zur Mitternacht gibt. Am Karsamstag gibt es in vielen Kirchen vom Morgen bis zum Nachmittag die Speisesegnung und gleichzeitig können die Gemeindemitglieder beichten.

Speisensegnung

Die vielerorts übliche Speisesegnung an Ostern bildete sich im Zusammenhang mit der alten, strengen Fastendisziplin aus, die nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf Eier und Käse verzichten hieß. Diese lang nicht gegessenen Speisen wurden in der Osterfeier für das häusliche feierliche Ostermahl gesegnet.

Die Osterspeisensegnung ist in verschiedenen östlichen Ländern Europas ein Brauch am Karsamstag, bei dem die Körbchen mit verschiedenen Lebensmittel zur katholischen Pfarrkirche gebracht werden und dort mit Weihwasser gesegnet. Dann werden sie beim Osterfrühstück (oder beim Ostermittagessen) am Ostersonntag im Kreis der Familie verzehrt. Früher brachte man in riesigen Körben das komplette Frühstück in die Kirche. Jetzt bringt man eher eine kleinere Menge mit und teilt dies später unter der Familie auf. Dabei wird das Frühstück (oder Mittagessen) durch nicht gesegnete Osterspeisen ergänzt.

Alle Speisen im Korb haben ihre eigene Symbolik:

Im Allgemeinen die Tischgemeinschaft der Gläubigen mit dem Auferstandenen in der Eucharistie, soll sich an diesem Tag gleichsam als Agape in den Häusern fortsetzen. Deswegen ist das zusammen Essen ein Zeichen, dass wir mit Jesus und miteinander eine echte Einheit und Gemeinschaft bilden und weiter bilden möchten. Wie Jesus mit seinen Jüngern und allen Menschen gegessen hat, genauso sollten wir es tun.

Brot ist eine Anknüpfung zu Manna aus dem Exodus des Volkes Israel, zu Jesus, der unser „Brot des Lebens“ ist und der das Brot für Mehrere vermehrt und zur Eucharistie, während der das Brot zum Leib Christi gewandelt wird.

Ganz einfach kann man entdecken, dass das Osterlamm aus Schokolade, Butter oder Teig den Auferstandenen Jesus bedeutet. Besonders, dass das Lamm die Fahne trägt, auf der „Alleluja“ geschrieben steht. Ähnliche Bedeutung haben Wurstwaren. Aber sie schicken uns auch zum Paschafest, als Jesus mit seinen Jüngern (wie alle Juden) das Lamm gegessen haben. Mit der Bitterkeit des Leiden Christi verbindet uns Meerrettich.

Von diesen, „traurigen Zeichen“, führt uns Salz und Pfeffer zur „neuen Welt“. Beide symbolisieren eine Reinigung der Herzen (Salz konnte man zur Reinigung der Wunden nutzen) und einen Bund zwischen Mensch und Gott (Salz nutzte man als Haltbarkeitsmittel der Lebensmittel), weil der Bund zwischen Gott und Menschen unsere Herzen rein macht und ewig ist.

Eine besondere Symbolik hat das Osterei, als Zeichen des Lebens, des Anfangs und der Auferstehung.

Glocken zur Osterfeier

Die Osterfeier sieht genauso wie hier aus. Nur am Ende gibt es zwei Möglichkeiten.

Die erste: Nach der Osterfeier, gleich nach der Heilige Kommunion, setzt der Hauptzelebrant das Allerheiligste in der Monstranz auf den Altar. Er beginnt ein Auferstehungslied und alle gehen drei Mal singend mit läuternden Glocken im Hintergrund um die Kirche mit Singen herum. Sie verkünden der ganzen Welt, dass Jesus in dieser Nacht auferstanden ist. Im Grab, statt der gestorbenen Jesu-Figur, gibt es die auferstandene Jesus-Figur oder ein Lamm (mit oder ohne Fahne).

Die zweite: Nach der Osterfeier gehen alle nach Hause. Dann kommen sie früh am Morgen, manchmal um 6 Uhr. 30 Minuten vor der heiligen Messe und der Priester setzt das Allerheiligste Sakrament aus. Um 6 Uhr beginnt die heilige Resurrektionsmesse mit der Prozession um die Kirche (drei Mal), die Glocken läuten, Gemeindeglieder singen. Nach dieser Messe stehen in einigen Pfarreien die Priester vor der Kirche und teilen dem Brauch gemäß die Eier unter den Gemeindemitgliedern aus und wünschen sich gegenseitig alles Gute.

„Wässriger Montag“

Ostermontag ist durch einen besonderen Brauch geprägt. Der Tag heißt übrigens „Wässriger Montag“ oder „Flüssiger Montag“, weil die Jungs die Mädels mit Wasser begießen. Damals war es ein Wettbewerb um die Gunst bei einem Mädchen. Je mehr sie nass war, desto mehr Zuspruch findet sie unter den Jungs. Heutzutage begießt man manchmal überall und alle.

Kaplan Maciej Domański