29. April 2013

Der Besuchsdienst unserer Gemeinde

Mindestens einmal pro Quartal trifft sich der Katholische Besuchsdienst unserer Gemeinde zu seiner obligatorischen Zusammenkunft in der Gemeindebibliothek im Pfarrer-Wachs­mann-Haus. Es sind ein Dutzend bekannter Gesichter aus unserem Gemeindeleben, die männliche Beteiligung mit zwei Besuchsdienstlern eher etwas überschaubar. Einen Chef oder Chefin im klassischen Sinne gibt es zwar nicht, aber zumeist gehen die theologischen Impulse von Schwester Theresia und die Fachlichen von Maria Lebek aus. Etwa 1 ½ Stunden dauert die Zusammenkunft in der Regel und es geht vor allem entspannt, zuweilen auch lustig zu. Und dass, obwohl das Thema eigentlich nicht gerade zum Lachen einlädt, nämlich der Besuchsdienst an Gemeindemitglieder, die entweder hochbetagt, krank, verhindert, oder lange nicht mehr gesehen wurden und deshalb als lieben Gruß aus der Gemeinde besucht werden.

Ansatzpunkte sind zumeist die Geburtstage, an denen die Jubilare von den Mitgliedern unseres Besuchsdienstes, „ausgestattet“ mit Glückwunschschreiben des Pfarrers, dem Gemeindebrief und vielleicht ein paar Blümchen daheim aufgesucht werden. Berechtigt ist jedes Gemeindemitglied ab 65 Jahre, so es gewünscht wird. Zunächst werden bis zum 80. Lebensjahr alle fünf Jahre besucht, dann jedes Jahr.

Die entsprechenden Auskünfte zu den Geburtstagen, die übrigens auch monatliche im Gemeindebrief veröffentlicht werden, kommen aus der Datenkartei unseres Gemeindebüros. Hier tauchen manchmal schon die ersten Probleme auf, wie: Stimmt die Adresse noch? Wer ist wohin verzogen? Wer verstorben? Die Abstimmung mit dem hiesigen Einwohnermeldeamt ist daher unverzichtbar und auch nicht immer komplikationslos.

Das Dutzend aufrechter Besucher beginnt die Zusammenkunft zumeist mit einem Lied oder Gebet, bevor Schwester Theresia zu einem ausgesuchten Thema ein paar theologische oder meditative Ausführungen gibt. Dann beginnt die Arbeit mit dem Heraussuchen der Daten und der Adressen der Geburtstagskandidaten für das kommende Vierteljahr. Glückwunschschreiben werden eingetütet, die Adressen der Besuchenden auf jene Briefumschläge geschrieben, bzw. die Aufkleber aufgetragen, die in unserem Kirchenkreis, rund um Greifswald/Gützkow, für einen Besuch in Frage kommen. Bei dieser Arbeit tauscht man sich untereinander aus, berichtet von den letzten Besuchen, erzählt von Vorkommnissen oder Neuigkeiten. Aufgeteilt werden die Adressen nach einem territorialen Schlüssel. Wer in der Innenstadt wohnt, kümmert sich auch um die in Frage kommenden Gemeindeglieder der Innenstadt. Selbiges gilt für Schönwalde I und II, Ostseeviertel Alt und Neu, Gützkow usw.

Mittlerweile kämpft der Besuchsdienst mit Nachwuchssorgen. Die Gruppe selbst besteht aus tapferen Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die selber nicht mehr die Allerjüngsten sind. Doch Nachwuchs ist rar, dafür ist das Thema vielleicht zu brisant und mit Schwellenängsten behaftet. Wer besucht schon gerne fremde alte Menschen, auch wenn sie zur Gemeinde gehören, wenn er selber noch jung ist? Was tun, wenn fremde Probleme angetragen werden, auf die man regieren muss, aber nicht weiß wie? Hier sind Fingerspitzengefühl und ein klein wenig psychologische Kenntnisse vonnöten.

Ein Besuch sollte, trotz aller Umstände, in der Regel nicht länger als zwei Stunden dauern. Ob und wieweit man sich persönlich auf das Schicksal des zu Besuchenden einlässt, muss jeder selber abwägen. Meistens jedoch sind die zu Besuchenden gute alte Bekannte, so dass die Kommunikation nicht schwerfällt.

Manchmal sind auch skurrile Situationen durchaus an der Tagesordnung. Dann, wenn der angeblich Gebrechliche beim Kofferpacken angetroffen wird, um seine Freundin zu besuchen, der zu erwartende Greis im Trainingsanzug vor der Tür steht und gerade losjoggen will, die betagte Jubilarin gerade von einer Weltreise zurückgekommen ist ... Positive Überraschungen sind immer drin, Freude und Überraschung inklusive. Aber auch Nachdenklichkeit, wenn man erfährt, dass Nachkommen bereits gestorben sind und die zurückgebliebenen Eltern sich nun allein in einer sich immer wilder drehenden Welt zurechtfinden sollen.

Zuweilen wird man auch auf die eigene Begrenztheit zurückgeworfen. Wie lebe ich zurzeit? Würde ich alles, wenn ich es könnte, noch einmal so machen? Fragen, die uns nicht entmutigen, sondern ermutigen sollen, dort, wo es angebracht ist Ratschläge vorzubringen. Oftmals ist aber das alleinige Zuhören das Allheilmittel für Entlastung und Entspannung. Und christlich ist die Ehrenarbeit alle male. Sprach’ nicht jemand von der ersten Christenpflicht als die der Nächstenliebe?

Also, junge und junggebliebene Leute, wie wär’s mit einem lieben Besuch bei älteren Gemeindemitgliedern? Spätestens dann, wenn man später selber besucht wird, wird man vielleicht erahnen, welch gutes Werk man einst verrichtet hat.                          hjs.

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